Mobilfunkmast in Waldmössingen: Inbetriebnahme erst 2027

Sollte jemand im Umfeld des neuen Mobilfunkmast in Waldmössingen unter Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Schwindel, Müdigkeit, Hautausschlägen, Herz-Kreislauf-Beschwerden, Depressionen oder Angstzuständen leiden, dann sollte er oder sie die Ursache nicht im Funkmast suchen. Der wird nämlich erst im ersten Halbjahr 2027 in Betrieb gehen.

Naila: Mehr Krebs wegen Funkmast?

Auf der Website der Waldmössinger Mobilfunkgegner finden sich zahlreiche Hinweise auf angebliche Gesundheitsgefährdungen durch Mobilfunk. Unter anderem verweisen sie auf eine „Naila-Studie“ aus dem Jahr 2004, die angeblich ein höheres Krebsrisiko in der Nähe von Funkanlagen belegen soll. In mehreren anderen wissenschaftlichen Artikeln weisen die Autorinnen und Autoren allerdings nach, dass diese Studie wissenschaftlichen Ansprüchen nicht genüge.

Antennen weg – Kofweh weg?

Weiter führt die Waldmössinger Gruppe eine Studie aus Japan ins Feld: Diese soll beweisen, dass die oben erwähnten Erkrankungen „signifikant“ zurückgegangen seien, nachdem zwei Mobilfunkantennen auf dem Dach einer Wohnanlage abgebaut worden seien.

Die Autoren hatten die Bewohner des Wohnblocks befragt, wie es ihnen gesundheitlich gehe, nachdem die Anlagen entfernt worden waren. Dabei hätten etliche Bewohner erklärt, sie hätten jetzt weniger Kopfweh etc.

Wissenschaftliche Kriterien nicht erfüllt

Der Artikel ist in einer Zeitschrift erschienen, die in der Wissenschaftsszene nicht wirklich anerkannt ist. Die Studie entspreche nicht wissenschaftlichen Kriterien, weil sie eine Einzelfall‑Interventionsstudie ohne Kontrollgruppe sei, urteilen Fachleute.

Eine solche Untersuchung gilt als nicht geeignet, kausale Zusammenhänge zwischen Basisstations‑Exposition und Gesundheit zu belegen. Außerdem gab es keine Verblindung bei der Untersuchung, keine individuelle Messung der Exposition und es wurden ausschließlich subjektive Symptome gemessen. Es gab keine exakten medizinischen Diagnosen vorher – nachher, Labordaten, Röntgenaufnahmen und so weiter. Die Verbesserungen des subjektiven Befindens könne man auf einen Nocebo-Effekt zurückführen.

Inbetriebnahme im ersten Halbjahr 2027

Zurück nach Waldmössingen: Dort steht der Sendemast seit Sommer, auch die Sendeantennen haben die Funkmastleute schon angebracht. Doch „der Mobilfunkstandort in Schramberg-Waldmössingen ist noch nicht in Betrieb“, wie eine Telekomsprecherin auf meine Nachfrage betont. „Die Inbetriebnahme ist für das erste Halbjahr 2027 geplant“, so die Pressesprecherin.

Anders als die Kollegin der Deutschen Funkmast Gesellschaft neulich, führt die Telekomsprecherin ein anderes Argument für die Verzögerung an: „Einen konkreteren Termin können wir derzeit noch nicht nennen, da die Arbeiten zur Glasfaseranbindung noch nicht abschließend terminiert sind.“ So bleibt also weiter offen, wie lange der Funkmast ohne zu funken an der Kastellhalle steht.

Kosten: eine halbe Million plus minus

Schließlich wollte ich wissen, was das Teil denn gekostet hat: Auskunft Telekom: „Die Kosten für einen Mobilfunkmasten im ländlichen Raum liegen im Durchschnitt im mittleren sechsstelligen Bereich.“ So um eine halbe Million Euro rum also. Der Turm steht und sorgt nicht für mehr Umsatz. Das würde mir als Telekom aber schon Kopfweh machen. Ganz subjektiv und unwissenschaftlich.