Nach 16 Jahren ende die Geschichte des Sulgener Tierkrematoriums, behauptet jedenfalls der derzeitige Betreiber. Der Eigentümer des Gebäudes Stefan Schindler hingegen versichert mir: Das sei „totaler Quatsch“. Er werde das Tierkrematorium weiter betreiben, sobald der Pächter das Gebäude endlich verlassen hat.
Auf der Homepage des heutigen Betreibers animea ist zu lesen: „Im Zuge unseres Umzugs verlegen wir unseren Betrieb: Der Standort in Schramberg wird Ende Oktober 2026 dauerhaft geschlossen.“ Man wolle „etwa 20 Minuten“ vom bisherigen Standort entfernt einen neuen Standort errichten.
Angebliche Neubaupläne
Bis dieser eine Genehmigung habe, werde man die Tiere vorübergehend in Laudenbach im Odenwald und Usingen im Taunus einäschern. Dort betreibt das Unternehmen zwei weitere Tierkrematorien. Animea ist der Markenname einer Crempet Tierkrematorium GmbH in Laudenbach. Deren Geschäftsführer heißt Adrian Schmitt.
Die Crempet wiederum ist Teil der AnimaCare, einer Tochter des Funecap-Konzerns aus Frankreich. Der Konzern macht einen Jahresumsatz von 800 Millionen Euro und betreibt mehr als 120 Humankrematorien in sechs Ländern.
„Rechtliche Auseinandersetzung“
Zu den Gründen für das „Aus“ in Schramberg hat sich Adrian Schmitt gegenüber dem Schwarzwälder Boten geäußert und eine „seit mehreren Jahren andauernde rechtliche Auseinandersetzung“ erwähnt.
Dabei soll es sich um das Mietverhältnis drehen. Er habe auch angeboten, das Krematorium zu kaufen. Eine Einigung sei jedoch nicht zustande gekommen.
Mietvertrag auf sechs Jahre ist 2024 ausgelaufen
Komplett anders stellt Stefan Schindler den Vorgang dar. Er habe mit dem heutigen Betreiber einen Mietvertrag über sechs Jahre abgeschlossen. Als der Vertrag 2024 ausgelaufen sei, habe Schmitt sich nicht darum gekümmert „und ist einfach nicht rausgegangen“.
Die Räumungsklage sei über mehrere Instanzen bis zum Oberlandesgericht und einer Schiedsstelle gegangen. „Er hat alle Verfahren verloren“, so Schindler.
Nun habe er eine Räumung mit sofortiger Wirkung erreicht. „Aber sie sind dennoch nicht gegangen.“ Er rechne damit, dass die Betreiber warten, bis der Gerichtsvollzieher kommt. Das könne nochmal sechs bis acht Wochen dauern, fürchtet er.
Weiterbetrieb geplant
Sobald die derzeitigen Betreiber das Gebäude verlassen haben, werde er das Tierkrematorium wieder in eigener Regie betreiben, kündigt Schindler an. Die Behauptung, das Gebäude werde abgerissen und die Krematoriumseinrichtungen abgebaut, sei „totaler Quatsch“.
Allerdings wisse er nicht, wie es derzeit im Gebäude aussieht. Es könne sein, dass er „eine böse Überraschung“ erleben werde. Hinter dem Gebäude staple sich schon Müll, schildert Schindler die Lage.
Mit Schrambergs Wirtschaftsförderer Ralf Heinzelmann sei er seit etwa vier Wochen im Kontakt. Er würde gerne auch das Nachbargrundstück erwerben. „Und dann kommt so ein Bericht“, meint Schindler in Bezug auf den Artikel im SB. Die Redaktion habe nicht mit ihm gesprochen.
1,2 Millionen Euro investiert
Vermieter Stefan Schindler hatte das Tierkrematorium in der Lise-Meitner-Straße vor 16 Jahren erbaut. Eröffnung feierte man 2011. Die beiden Brüder Thomas und Stefan Schindler hatten damals 1,2 Millionen Euro investiert. Man habe keinen billigen Industriebau, sondern eine würdige Einrichtung schaffen wollen und dafür auch mehr investiert, erklärte mir damals Stefan Schindler.
Schrambergs OB Herbert O. Zinell war beim Besuch des Tierkrematoriums beeindruckt von der Technik und wünschte der Familie Schindler viel Erfolg.
Pläne für ein Humankrematorium sorgten für Aufregung
Fünf Jahre später sorgten Pläne der Schindlers, zusätzlich ein Humankrematorium neben dem bestehenden Tierkrematorium zu bauen, für heftige Diskussionen im Gemeinderat.
2016 beschloss der Rat mehrheitlich, den Plan zu ermöglichen, indem man das Gebiet als Sondergebiet ausweist. In einem Gewerbegebiet wäre es nicht möglich, hatte das Bundesverwaltungsgericht geurteilt.

Waldabstandregeln verhindern Humankrematorium
Doch weitere sechs Jahre später haben der Investor und die Stadt dieses Projekt beerdigt. Gescheitert war es an Waldabstandsregeln. Ein benachbarter Waldbesitzer weigerte sich, ein Stück Wald der Stadt zu verkaufen oder einer Waldumwandlung zuzustimmen.
Schindler habe 2020 erklärt, er wolle sein Projekt nicht weiter verfolgen, erläuterte Stadtplaner Bent Liebrich zwei Jahre später im Gemeinderat. Der Gemeinderat legte daraufhin 2022 die Bebauungsplanänderung ad acta. Im Flächennutzungsplan blieb es bei „gewerblicher Nutzung“.


