Jobcenter entkernt?

Die drei Jobcenter in Rottweil, Schramberg und Oberndorf sollen zwar bestehen bleiben. Die Center in Schramberg und Oberndorf aber von bisher drei Bereichen nur noch die Beratung von Arbeitslosen behalten.

Der Bereich „Kundenportal/Eingangszone“ und die Leistungssachbearbeitung sollen nach Rottweil wandern. Dagegen wehrt sich der Schramberger Gemeinderat.

Hohe Verwaltungskosten

Unter Bekanntgaben hat Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr erstmals öffentlich über die Pläne der Agentur für Arbeit und des Landkreises informiert. Die beiden Einrichtungen sind Träger der Jobcenter. Das Problem: Die Verwaltungskosten für die Jobcenter steigen und steigen.

Mittlerweile geht mehr als die Hälfte der Mittel für die Verwaltung drauf. 1,7 Millionen kostet die Verwaltung, für Förderung von Arbeitslosen bleiben dieses Jahr gerademal noch1,24 Millionen Euro. Da der Kreistag für die Finanzierung der Jobcenter mitverantwortlich ist, soll nächsten Montag dort über das Thema beraten werden.

Um Kosten zu sparen, schlägt die Agentur für Arbeit vor, die Eingangszonen und die Leistungssachbearbeitung in Rottweil zu konzentrieren. In Schramberg und Oberndorf blieben lediglich die Fallmanager und Integrationsfachkräfte. „Für komplexe Themen sollen in Schramberg und Oberndorf die Kunden ein bedarfsgerechtes Angebot bekommen können“, berichtete Eisenlohr im Rat. In Schramberg würden knapp zwei Stellen in der Eingangszone wegfallen, in der Leistungsabteilung sogar 6,5 Stellen.

Die drei Bereiche des Jobcenters in Schramberg. Grafik: Stadt

Eingangszone erhalten

„Die Verwaltung könnte der Verlegung der Leistungsabteilung „grundsätzlich zustimmen“, erläuterte Eisenlohr. Es sei bedauerlich, wenn ein Großteil der Gelder in die Verwaltung fließe. Allerdings sehe sie den Wegfall der Eingangszone „kritisch“. Hier können Jobcenter-Nutzer bisher ohne Termin mit ihren Anliegen vorbeikommen, sich informieren, wo sie was erledigen können und welche Möglichkeiten der Förderung es gibt.

Dass eine solche Beratung nur noch mit Terminvereinbarung möglich sei, werde für diese Kundengruppe schwierig sein. Viele seien nicht ausreichend sicher, um mit dem Internet einen Termin online zu buchen. Andere hätten Probleme mit der deutschen Sprache oder mit einer Fahrt nach Rottweil. So werde eine „hohe Hürde“ für diese Gruppen entstehen, fürchtet Eisenlohr.

Zwei Jahre erproben

Sie erinnerte auch daran, dass das Jobcenter erst dann Leistungen zahle, wenn jemand sie beantrage. Sie plädierte dafür, die Eingangszone zunächst in Schramberg zu belassen und nach zwei Jahren zu überprüfen, ob es sich bewährt hat.

Man könne auch die Öffnungszeiten beispielsweise auf drei Tage begrenzen, aber ganz entfallen sollten sie nicht. Bisher habe der Rat auf Wunsch der Agentur für Arbeit das Thema nichtöffentlich behandelt.

Warum kommt immer alles nach Rottweil?

CDU-Sprecher Thomas Brantner appellierte an die Kreistagsmitglieder aus dem westlichen Kreisgebiet, sich für den Erhalt der Eingangszonen einzusetzen. Zur Leistungsabteilung meinte er, es sei nicht einzusehen, weshalb alles in Rottweil konzentriert werde. Nachdem die Berechnungen für die Sozialhilfe nach Rottweil gegangen seien, könnte man ja umgekehrt diese Aufgabe bei den Jobcentern in Schramberg zentralisieren.

Am kommenden Montag wird die Agentur für Arbeit im Verwaltungsausschuss des Kreistages informieren. Beschließen über die Änderungen wird der VA nicht. Das ist Aufgabe der Trägerversammlung für die Jobcenter. Die Trägerversammlung besteht aus Vertretern des Kreistags und der Jobcenter