Die Zukunft des Tierkrematoriums auf dem Sulgen bleibt ein Streitthema der beteiligten Parteien. Nach meinem Bericht vom Mittwoch hat sich der Geschäftsführer der Animea und der Tierkrematorium Schwarzwald GmbH Adrian Schmitt bei mir gemeldet.
In einer ausführlichen E-Mail nimmt er Stellung zu Stefan Schindlers Darstellung. Das respektiere er „selbstverständlich“. Allerdings vermittelten Schindlers Aussagen „ein aus unserer Sicht erheblich verkürztes und teilweise falsches Bild der tatsächlichen Verhältnisse“.
Schmitt stört sich an der Aussage Schindlers, das Krematorium sei „sein Krematorium“. Schmitt dagegen erklärt, Schindler habe „den damaligen Krematoriumsbetrieb bereits 2018 einschließlich des Kremationsofens und der technischen Betriebseinrichtungen an die AniCura-Gruppe verkauft“. Sein Unternehmen werde die gesamte Ofentechnik „im Zuge unseres Auszugs zurückbauen und aus dem Gebäude entfernen“.
Lediglich der Schornstein werde am Standort verbleiben. „Nach unserem Auszug wird sich im Gebäude jedoch kein Kremationsofen mehr befinden“, erklärt Schmitt.

Der neue Ofen ist schon bestellt
Schindler bestätigt auf Nachfrage, dass er den Krematoriumsofen tatsächlich damals an AniCura verkauft habe. Dazu gebe es eine genaue Inventarliste, in der aufgelistet sei, wem was gehört. Dass die Firma AniCura den bisherigen Ofen demontiere, sei für ihn kein Problem.
Der Ofen werde demnächst 20 Jahre alt und müsste sowieso ausgetauscht werden. „Ich habe einen neuen Ofen bereits bestellt. Es wird derselbe Ofenbauer sein, der auch den ersten Ofen eingebaut hat.“
Neue Genehmigung erforderlich?
Der bisherige Betreiber Schmitt ist überzeugt, dass nach dem Auszug seiner Firma „kein betriebsbereites Tierkrematorium“ zurückbleibe, das einfach weiter betrieben werden könne. Außerdem: „Wir haben gegenüber der zuständigen Behörde bereits den Verzicht auf unsere bisherige immissionsschutzrechtliche Genehmigung erklärt.“
Wenn Schindler einen neuen Ofen einbauen wolle, „wäre ein neues immissionsschutzrechtliches Genehmigungsverfahren erforderlich“, schreibt Schmitt. In diesem Zusammenhang verweist er auch auf die Probleme mit dem Waldabstand, als Schindler sein Humankrematorium plante.
Bestandsschutz?
Schindler erinnert daran, dass er das Gebäude als Tierkrematorium in einem Gewerbegebiet errichtet habe und er dafür eine Genehmigung habe. Es stimme, dass er einen Teil der Genehmigungen erneut beantragen müsse. Einige gesetzliche Regeln hätten sich geändert. Deshalb sei er auch schon bei den Ämtern gewesen. Da das Tierkrematorium an diesem Standort seit 16 Jahren arbeite, rechne er damit, dass er Bestandsschutz genieße.
Wirtschaftsförderer Ralf Heinzelmann erläutert, eine immissionschutzrechtliche Genehmigung werde für ein bestimmtes Gebäude erteilt. Diese Genehmigung sei Teil der Baugenehmigung. Und diese gelte für das Gebäude des Tierkrematoriums.
Waldabstand ist kein Problem
Die Waldabstandproblematik habe nur das Humankrematorium betroffen, erklärt Schindler. Beim Tierkrematorium habe das nie eine Rolle gespielt. Da die Behörden Tiere als „Sache“ betrachteten, würden hier andere Regeln gelten.
Auf Nachfrage bei der Stadt teilt Stadtsprecher Hannes Herrmann mit, für das geplante Humankrematorium habe es damals ein Bebauungsplanverfahren gegeben. Es sollte als Sondergebiet ausgewiesen werden. In diesem Zusammenhang habe sich herausgestellt, dass das geplante Baufenster für das Humankrematorium nicht ausreichend Abstand zum Wald gehabt hätte. „Das Gebäude Tierkrematorium hat jedoch ausreichend Abstand (30 m) und ist im Industriegebiet also weiterhin grundsätzlich zulässig.“
Mieter hat Mietvertrag verlängert
Zum Thema Mietvertrag und Auszugstermin erklärt Schmitt, seine Firma habe die Kündigungsfristen für den Mietvertrag „keineswegs einfach ignoriert“. Vielmehr habe er einen bestehenden Mietvertrag um drei Jahre bis 2027 verlängert. Nach ihrer Rechtsauffassung sei diese Verlängerung gültig gewesen.
Schindler und mehrere Gerichtsinstanzen sahen das anders. Schmitt habe ihm einen Brief geschickt, in dem er erklärte, den Mietvertrag zu verlängern. Er habe dem nie zugestimmt. Im Gegenteil: „Damals war die Kündigung schon raus.“ Er habe bereits Jahre zuvor auf Ende 2024 gekündigt.
Schließlich gab es einen Schiedsspruch. Dieser habe „festgestellt, dass das Mietverhältnis bereits zu einem früheren Zeitpunkt beendet war“, schreibt Schmitt selbst. „Diese Entscheidung akzeptieren wir und setzen sie um.“
Allerdings nicht ohne weiteres. Schmitt: „Für eine Zwangsvollstreckung aus einem Schiedsspruch bedarf es zunächst einer gerichtlichen Vollstreckbarerklärung. Eine entsprechende vollstreckbare gerichtliche Entscheidung ist uns bislang nicht zugegangen.“ Schmitt versichert dennoch: „Vor allem aber verlassen wir den Standort aus eigener Initiative. Wir möchten die jahrelange Auseinandersetzung beenden und unsere Energie darauf verwenden, die Zukunft des Tierkrematoriums Schwarzwald zu gestalten.“
Zoff seit 2020
Dass zwischen Schindler und Schmitt seit mindestens sechs Jahren das Handtuch zerschnitten ist, zeigt, dass nach dem Verkauf an die Anicura 2018 Schindler dort als Geschäftsführer angestellt war. Er schied dort allerdings Ende 2020 aus.
Später erhielt Schindler ein Betretungsverbot für das Tierkrematorium. Das bestätigt Schmitt indirekt. Er erklärt zu Schindlers Vorwurf, hinter dem Haus staple sich Müll und er fürchte, eine „böse Überraschung“ zu erleben: „Herr Schindler hatte und hat als Vermieter die Möglichkeit, sein Objekt nach vorheriger Terminvereinbarung mit uns zu besichtigen.“ Aber eben nur dann.
Außerdem sei es beim Rückbau großer technischer Anlagen zwangsläufig so, dass Materialien für den Abtransport und zur Entsorgung gesammelt und gelagert würden. Man werde das Objekt „selbstverständlich … ordnungsgemäß übergeben“.
Der „angebliche“ neue Standort
Schließlich sträubt sich Schmitt gegen meine Formulierung, sein Unternehmen habe „angebliche Neubaupläne“. Da Schmitt das ohne Ortsangabe angegeben hat und ich es deshalb nicht nachprüfen konnte, habe ich von angeblichen Plänen geschrieben.

Schmitt versichert nun: „Der neue Standort ist real, wir haben ihn bereits übernommen und befinden uns mitten in den Vorbereitungen.“ In einer weiteren Mail erklärt er, weshalb er den Ort weiterhin geheim hält: „Aufgrund unserer Erfahrungen der vergangenen Jahre möchten wir vermeiden, dass sich die Auseinandersetzungen rund um den bisherigen Standort bereits jetzt auf unseren neuen Standort verlagern.“ Mitte Oktober werde seine Firma den Standort auf der eigenen Website mitteilen.
Warten wir‘s also ab.
Stefan Schindler will das Gebäude in Sulgen „großzügig renovieren und auf den neuesten Stand bringen“, kündigt er an. Danach werde er das Tier-Krematorium auf dem Sulgen wieder eröffnen.
„Ich wünsche Herrn Schmitt alles Gute für die Zukunft“, schließt er.


